Traumzeit

Illustration für das LUKS Magazin

LUKS ist das studentische Illustrationsmagazin des Department Design der HAW Hamburg (Hochschule für angewandte Wissenschaften). Das Magazin dient als Plattform für die Studierenden des Department Designs, um mit ihren Illustrationen in die Öffentlichkeit zu treten. Mit jeder Ausgabe entsteht ein Gesamtportfolio, das sowohl die einzelnen Illustratoren, als auch den Studiengang im Ganzen repräsentiert und darüber hinaus international erhältlich ist. >Hier geht es zum Luks Magazin.
2016 ist die 5. Ausgabe erschienen. Innerhalb jeder Ausgabe arbeiten die Studenten zu unterschiedlichen Themen. Meine Bildgeschichte und der weiter unten stehende Text sind zum Thema „Anfang“ entstanden.


Traumzeit

von Jennifer van de Sandt

Die trockene Erdkruste brach auf, als die mächtige Schlange ihren schuppigen Reptilienkopf erhob. Träge ließ sie ihren Blick über die verdorrte Ebene schweifen. Die Trostlosigkeit spannte sich bis zum Horrizont und ließ sie selbst zu einer landschaftlichen Abnormität werden. So sehr sie sich auch anstrengte, es gab nichts was die Aufmerksamkeit ihres schärfer werdenden Blickes auf sich gezogen hätte. Da befreite sich die Schlange ganz aus ihrem erdigen Grab und begann sich über den rauhen Boden zu schlängeln. Sie war der erste relevante Punkt in der fortan existierenden Zeit.
Die Sonne bemerkte diesen Aufstand des Lebens gegen ihre gnadenlose Herrschaft und brannte noch viel heller. Doch als ihr Licht auf die glatten Schuppen der Schlange traf, wurde es in allen Regenbogenfarben über die ganze Landschaft gebrochen. Die unzähligen Geister, die sich bisher zwischen den Schuppen der Schlange verborgen hatten, ergriffen nun ihre Chance und ritten auf den Lichtstrahlen fort. Dort wo sie auf den Boden oder den Himmel trafen, verbargen sie sich wieder, damit die Sonne sie nicht bemerkte.
Die Schlange wühlte sich jetzt regelrecht durch die Landschaft. Grub hier tiefe Furchen und warf dort Berge auf, die fast an den Himmel stießen. Sie ließ aber auch einige Teile unberührt. Nachdem Sie fertig war, rief die Schlange die Frösche zu sich. Diese ruhten tief in der Erde und träumten von all den Dingen, die sein könnten und von denen die nicht sein sollten. Doch indem sie sie geträumt hatten, ermöglichten sie allen eines Tages geschaffen zu werden. Vom Ruf der Schlange erwacht, aber dennoch weiterhin träumend gruben die Frösche sich mühsam an die Oberfläche. Bald saßen sie schmatzend und blintzelnd auf der rissigen Oberfläche und bemerkten gar nicht, wie die Sonne begann ihre empfindlichen Leiber auszutrocknen. Da kitzelte die Schlange sie schnell an ihren Bäuchen und lachend spieen sie riesige Wasserfontänen aus. Das Wasser befüllte die Furchen und ließ Flüsse und Seen entstehen. Überall streckten die kleinen Geister ihre Arme nach dem Wasser aus und einige von ihnen begannen zu wachsen. Aus ihnen wurden die Wälder und Graslandschaften. Andere warteten noch ein bisschen, bis genügend Schatten und Nahrung entstanden war und wuchsen dann zu den verschiedensten Lebewesen heran.
Verärgert von all dem Unsinn verdunstete die Sonne große Wassermassen, doch die so entstandenen Wolken blieben an den Bergen hängen und regneten dort wieder ab. Da zeigte ihr die Schlange die Teile der Landschaft, in die sie keine Furchen gewühlt hatte und sich somit auch kein Wasser sammeln konnte. Hier durfte die Sonne weiterhin gnadenlos herrschen.
Ermutigt von all den Vorfällen begannen nun auch die Vögel ihre Existenz und tollten mit den anderen Lebewesen herum. Bald aber bemerkte die Schlange, dass nicht alle Lebewesen gleich waren. Manche taten sich als besonders schlecht hervor und so verfügte die Schlange, dass diese nach ihrem Tod nur als Ungeziefer wiedergeboren werden durften. Diejenigen aber, die besonders gut waren belohnte sie mit einem menschenähnlichen Körper. Und so wandelten diese Lebewesen geleitet von den Träumen der Frösche über die Erde und wurden zu dem was sie sind und all dem was sie nicht sind.